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Rezertifizierung im IAGM-Kontext: Bedeutung und Notwendigkeit

In der Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAGM)-Domäne ist die Rezertifizierung ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheits- und Compliance-Strategie eines Unternehmens. Sie dient dazu, sicherzustellen, dass Benutzer und Systeme weiterhin nur die Zugriffsrechte besitzen, die für ihre Aufgaben erforderlich sind. Dieser Artikel erläutert die Definition, den Zweck und die Herausforderungen der Rezertifizierung im IAGM-Kontext, einschließlich der Rezertifizierung von Rollen und Identitäten.

Was ist eine Rezertifizierung?

Rezertifizierung bezeichnet den periodischen Prozess, in dem bestehende Zugriffsrechte, Rollen und Identitäten überprüft und validiert werden. Dabei wird geprüft, ob die aktuellen Berechtigungen von Benutzern, Anwendungen oder Systemen noch erforderlich und angemessen sind. Eine Rezertifizierung erfolgt in regelmäßigen Abständen oder anlassbezogen, beispielsweise nach einer organisatorischen Umstrukturierung oder nach dem Ausscheiden eines Mitarbeiters.

Der Rezertifizierungsprozess umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Identifikation der zu überprüfenden Berechtigungen, Rollen und Identitäten – Eine Liste aller aktuellen Zugriffsrechte sowie der zugehörigen Rollen und Identitäten wird erstellt.
  2. Validierung durch verantwortliche Personen – Fach- oder Linienverantwortliche bestätigen oder widerrufen die Notwendigkeit einzelner Berechtigungen, Rollen oder Identitäten.
  3. Überprüfung der Rollenzuweisung – Es wird geprüft, ob die aktuellen Rollen noch den tatsächlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Benutzer entsprechen.
  4. Dokumentation und Umsetzung der Ergebnisse – Änderungen werden dokumentiert und nicht mehr benötigte Zugriffsrechte, Rollen oder Identitäten entfernt.
  5. Überwachung und Auditierung – Der gesamte Prozess wird überprüft, um sicherzustellen, dass alle regulatorischen Anforderungen eingehalten wurden.

Wozu wird eine Rezertifizierung benötigt?

Die Notwendigkeit der Rezertifizierung ergibt sich aus mehreren Faktoren:

  1. Sicherheitsrisiken minimieren\ Ohne regelmäßige Überprüfung kann es passieren, dass ehemalige Mitarbeiter oder überflüssige Systemkonten weiterhin sensible Zugriffsrechte besitzen. Auch ungenutzte Rollen oder unklare Identitäten können ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen und müssen daher überprüft werden.

  2. Regulatorische Compliance sicherstellen\ Viele gesetzliche und regulatorische Vorgaben – wie die DSGVO, ISO 27001 oder SOX – verlangen von Unternehmen, dass sie regelmäßige Überprüfungen der Zugriffsrechte, Rollen und Identitäten durchführen. Eine ordnungsgemäße Rezertifizierung hilft dabei, diese Anforderungen zu erfüllen und Strafen oder Reputationsverluste zu vermeiden.

  3. Effizientes Berechtigungsmanagement gewährleisten\ Durch die Rezertifizierung werden unnötige oder übermäßige Berechtigungen, Rollen und Identitäten reduziert. Dies sorgt für eine sauber strukturierte Rechtevergabe und erleichtert das Management von Benutzerzugriffen.

  4. Reduzierung der Angriffsfläche\ Cyberangriffe zielen oft auf veraltete oder ungenutzte Konten und Rollen ab. Durch regelmäßige Rezertifizierungen wird sichergestellt, dass solche potenziellen Schwachstellen eliminiert werden.

Rezertifizierung von Rollen und Identitäten

Zusätzlich zur individuellen Überprüfung von Berechtigungen müssen auch Rollen und Identitäten regelmäßig rezertifiziert werden.

  • Rezertifizierung von Rollen: An Rollen sind meist auch Zugriffsrechte zugewiesen, die bestimmten Funktionen oder Abteilungen zugeordnet sind. Eine regelmäßige Überprüfung stellt sicher, dass diese Rollenzuweisungen weiterhin sinnvoll sind, den Geschäftsstrukturen und -Prozessen entsprechen und keine übermäßigen oder ungenutzten Berechtigungen zugewiesen haben.
  • Rezertifizierung von Identitäten: Unternehmen sollten regelmäßig prüfen, ob Identitäten (z. B. Mitarbeiterkonten, Dienstkonten oder externe Benutzer) noch aktiv und den richtigen Rollen zugewiesen, einer verantwortlichen Person unterstellt sind und ob ihre Zugriffsrechte weiterhin benötigt werden. Ungenutzte oder verwaiste Identitäten stellen ein erhebliches Risiko dar, da sie von Angreifern missbraucht werden können.

Herausforderungen bei der Rezertifizierung

Obwohl die Rezertifizierung viele Vorteile bietet, gibt es auch Herausforderungen:

  • Komplexität großer Systeme: In großen Unternehmen mit tausenden Benutzern, Rollen und Identitäten kann der Prozess sehr aufwendig sein. Hier sind gute Rollenkonzepte eine sehr hilfreiche Erleichterung.
  • Mangelnde Transparenz: Oft fehlt eine klare Übersicht über alle vergebenen Berechtigungen, Rollen und Identitäten.
  • Mangel an Verantwortlichkeit: Ohne klare Zuständigkeiten kann die Entscheidung über den Entzug oder die Beibehaltung von Rechten, Rollen oder Identitäten verzögert oder unsachgemäß getroffen werden.
  • Automatisierungsbedarf: Manuelle Prozesse sind fehleranfällig und zeitaufwendig. Automatisierte Lösungen für Rezertifizierungen können helfen, den Prozess effizienter und sicherer zu gestalten.

Fazit

Die Rezertifizierung ist ein unverzichtbarer Bestandteil des IAGM-Managements, um Sicherheit, Compliance und Effizienz sicherzustellen. Neben der Überprüfung einzelner Berechtigungen ist es ebenso wichtig, Rollen und Identitäten zu rezertifizieren, um potenzielle Sicherheitslücken zu schließen. Unternehmen sollten diesen Prozess automatisieren, indem die zu rezertifizierenden Objekte automatisch ermittelt und benutzerfreundlich aufbereitet, die Verantwortlichen ermittelt werden und um so den Aufwand zu minimieren und die Effektivität zu maximieren. Durch eine konsequente Umsetzung lassen sich Sicherheitsrisiken, Verstöße gegen die Compliance und regulatorische Probleme effektiv vermeiden.

Heiko Endrigkeit